Meine Gedichten


Gedichte von Shahla Bahardust

Aus dem persischen übersetzt von:

Behzad Abbassi


Rot

Dieses Rot ist kein Wein,

ist meine Lippen

ist kein Feuer,

ist mein Körper

du atmest über der Brust, so rot

ich schmelze auf der kalten Zypresse, so rot

die Zypresse wächst und zerrt mich unter sich,

unter einem Erguss bis zum Ende des Atemzuges

 

 

eine Nähe

Ich saß irgendwo an dieser Zeile

Mein Atem voller Rauch

Meine Stimme so heißer in der Kehle

Bin weder gefangen noch Wärter

Nach einem Zeichen auf einer Landkarte aus Wasser, aus Wind

Der Geruch, der näher kam,

der Duft, der bekannt war,

der Name, der auf meiner Zunge lag und doch fortging

zog meine Wiege heran, und stieß mich dann ab

nahm mich zu den heißen Tagen des Ostens

ließ mich in den vollen Basaren los

ich rannte in den Duft von Zimt und Safran

ich rannte in den Duft von Rosenwasser und Limetten

im letzten Atemzug noch in der Brust

kam er wieder

aus seinen Händen schnappte ich geschälte Walnüsse

während meines Lachens war er davon fasziniert

plötzlich flog er weg

ich zuckte

mit einem Atem voller Rauch

mit einem Kloß im Hals

saß ich irgendwo in der Nähe dieser Zeilen

und suchte auf einer Karte

deine Nähe

 

 

Tanz des Körpers

Auf meinen Fingern deine Finger

Bis in die Spalten ein Geruch des Glaubensakzents

Auf flammenden Linien der Geschmack der kurzen Wellen

In den Armen unserer Stimmen, der Körpertanz

Gierig und durstig

Tropfen für Tropfen uns hinterher zischenden Fingern

Wir laufen im Garten

Die Nacht wird zum Voyeur, wir ziehen den Vorhang zu

Die Sterne lachen die schwätzenden Frösche aus

Der Morgenblick voller Freude um den Hals herum

Die Sonne auf den Beinen

Die Hände auf der Brust

Wachen wir auf

Die Lippen aneinander geschlossen

Du steckst den Schlüssel ins Schloss

Die Tür öffnet, der schönste Mann der Welt entkernt einen Granatapfel

Mir läuft das Wasser im Munde zusammen

Keiner erzählte mir von dem Vulkan des Granatapfels, von der Spalte, die beim Öffnen zum Feuer wird

Niemand hat ihr einen Vierzeiler vorgelesen

Jeder Morgen, der Blick um den Hals herum

Tausendundein Löwenzahn

Tausendundeine Taube

Tausendundein Kuss

Stürzen von überall

Von jetzt an bin ich fort, du schreibst

Du denkst nach

Du schwindelst

Im Bett, in dem wir nie nebeneinander lagen, schlingen wir uns noch und noch einmal umeinander

Auf der noch unberührten Haut werden wir noch und noch einmal heiß

Von jetzt an bist du fort, ich schreibe

Ich denke nach

Ich schwindele

Genauso tief wie alle meine Erwartungen fiebere ich nach

Für dich schreibe ich

In einer schönen Schrift

Im Frühling wächst der Körpertanz grün

Der Jasminduft

Um mein Ohr herum deine Lippen

Um meinen Hals hängend Deine Hände

In unseren Armen voll

Das Volle ist unserer Geruch

Ich rutsche von meinem Arm in deinen

Wir wälzen, verschollen

Du drehst, ich drehe

Die Begebenheit, Bein zwischen den Beinen

 

 

 

Der Jasminduft

Der Jasminduft wird zum schützenden Nest

Ich schließe die Augen dann

Regnet es Kuss für Kuss

Wir, entblößt unter dem Regen

Werden feucht

Gierig, kühl, Gänsehaut

Tastet meine Hand nach deinem Hals

Du läufst über meine Brust

Wir pflücken eine Traube

Von einer Weinbeere betrunken, taumeln und wanken

Klettern aufs entfachte Feuer

Wir Luder

Der Freitag vergeht

Wir gucken uns in die dunklen Augenfarben und

Unsere durstigen Lippen setzen gegenseitig die Brandmarken auf die Haut

Stempeln

Binden zusammen

Rauben den Schlüssel und

Im Himmel wird der Mond wieder zu einer Sichel

 

 

 

Die Sonne

Wenn ich die Sonne anlächle,

nimmt der Wind die Plissees meines Rockes weg

ober den Lippen der Stadt werde ich ein Lied

die Luft weht aus der Brust des Felsen heraus

Wenn ich die Sonne anlächle,

rennen die Versuchungen  mit den Verliebten im Käfig zusammen

die Schwalben fasziniert von den Schmetterlingen, die mit dem Kuss sprechen

Wenn ich die Sonne anlächle,

rollen die rotierenden Perlen in deinen Händen

der Kitzel rennt wispernd bis unter die Ohren, bis auf die Wangen,

bis deine Augen und wird zum Stern

dann legt er sich in den Himmel

Wenn ich die Sonne anlächle,

verkündet der Garten dem Maikäfer eine gute Botschaft,

die Wasserfontäne schreien Hurra

das Fenster fluchtet in den Garten

der Fluss bettet   die Farbe ein

Wenn ich die Sonne anlächle,

denke der Frühling nähert sich an

ich muss das Weizen einweichen,

und die Bilderrahmen aus dem Staub der Nowruz-Erinnerungen  befreien,

meiner Mutter schicke ich eine Karte

es lebe der Frühling

 

 


Hier ein Fenster

Mein Augenlid offen in der Höhe des Fluges

Mein Köper mit dem Nass des Regens

Hier macht mich ein Fenster immer noch irre

Meine Freude klettert immer noch kindlich auf die Mauer

Mein Mund  schmeckt immer noch die Leckereien ab

Hier lachen die Fotos während ich weine

Dauernd flickt mich ein Blick aus der Ferne an den tausend Stücken,

zerrt mich in tausend Teilen zerstückelt um die Kurven der Nacht,

nimmt mich in den Himmel und hängt an den Knöpfen eines Sternes auf

weinend, lachend sage ich

die Löwenbabys fürchten sich manchmal

ab und zu bewegt sich dieser Stuhl sinnlos

zwecklos kommt jemand hierher

er leckt das Blumenmuster mit seinen schuhen

der Teppich mag das nicht und ehrlich

hey Dichter guck mal, er kennt kein Wunderwerk

ich schaue nicht hin

Hier macht mich ein Fenster immer noch irre

Jede Nacht, wenn die Uhr läutet,

tanzt ein Lächel zwischen Wörtern und mir

rennt unter den Regen und wird zu Fisch in den Flüssen, nein, das verschwindet nicht

Neben jedem Buchstabe eine bunte Schrift

Mein Augenlid offen in der Höhe des Fluges

Mein Körper wird mit dem Regen zu wasser

Wenn die Uhr wieder läutet, mein Blick wie traurig, meine Nägel werden blau

Schwindlig und bewusstlos im Bummeln mit den Wörtern schläft dein Schatten berauscht

auf den Linien der Nacht

jetzt kannst du für den Tod ein paar Blumen pflücken

für die Verbrennung meiner Gedichte Feuer holen

du kannst dich mit einem dreckigen Kuss zufrieden geben,

kannst dich mitten auf diese Straße legen

kannst das L, das I, das E, das B, das E auslachen

ja du kannst die Olivenäste bis zu den Pomeranzlumen pflücken,

den Mond und die Sterne fotografieren

über dem Wasser und von einer Stadt der anderen reisen

ja, das kannst du

aber,  Hier macht mich ein Fenster immer noch irre

Meine Freude klettert immer noch kindlich auf die Mauer

Mein Mund  schmeckt immer noch die Leckereien ab,

und mein Schlaf riecht immer noch nach Jasmin bluten